Den Objekten und Grafiken, die hier zusammengestellt sind, liegen generell Erfahrungen zugrunde, die Jeanette Zippel in eigener praktischer Arbeit als Imkerin und in ständiger Auseinandersetzung mit den Bienenvölkern gewonnen hat. Neugier und Interesse an deren Lebensformen provozierten Vergleiche und ihre persönliche Suche nach Parallelitäten zur Sozialisation des Menschen.
Die Zuwendung zu Lebensvorgängen und dazugehörigem naturphilosophischem Gedankengut, die bei ihr eine forscherische Intensität annahmen, haben in der Form der ausgestellten Werke Eingang in die bildende Kunst gefunden. Die Ergebnisse, deren ausgesprochen ästhetischer Reiz hier auffällt, vermitteln durch die spezielle Größe, durch die Wirkung von Raum, Farbe und Licht das Gefühl, dass wir neben der speziellen Anmutung der Werke aus ihnen etwas über die Persönlichkeit der Künstlerin erfahren, die sie erfand. Sie wecken Assoziationen zu Leben und Sinnlichkeit, ohne dass diese Prozesse in Natur und Gesellschaft dargestellt wären, die als Einheit meist unerreichbar erscheinen.
Das Interesse von Jeanette Zippel scheint auch hier den emotionalen Reaktionen der Betrachter auf ihr künstlerisches Angebot zu gelten.Klar und verschwommen zugleich oszillieren Jeanette Zippels schwebende Formen zwischen Fläche und Raum und erschaffen so innerhalb der Komposition eine Spannung, in die sie den Betrachter mit einbeziehen. Jeanette Zippel spielt mit der „Psychologie des Materials".
Der Werkkomplex BIENEnMENSCH stellt ebenfalls die im Titel genannte Beziehung ins Zentrum.Mit einfühlsamen kleinen und beeindruckend großformatigen Grafiken aus dem Jahr 2000 (Tusche und Bienenwachs auf Papier) gelingt es der Künstlerin auch hier, unsere Wahrnehmung von Natur durch das Setzen von Bildzeichen von ihrer gewohnten und selbstverständlichen Perspektive abzurücken und auf diesem Wege neue, unverbrauchte Einsichten zu gewinnen.
In diesen Arbeiten sind darstellerische Momente im Spiel. Als Schattenrisse erscheinen Schemen von Menschen an offenen Bienenkästen. Die Verschmelzung im Tun, in der Hinwendung zu den Bienen kontrastiert mit fragmentarischen Darstellungen der Schwarmbewegungen. Die gleichzeitig suggerierte Verschmelzung des arbeitenden Menschen mit dem Bienenkörper stellt die Künstlerin der Raumdynamik des Bienenvolkes gegenüber.

Der Mensch, dessen Körper, stehen für Konzentration, Verdichtung, Materialisierung,
das Bienenvolk im Schwarmakt steht für Loslösen, Vergessen, Entmaterialisieren.

Blick in die Ausstellung

Jeanette Zippel im Gespräch mit Ingrid Hartlieb
Auch hier werden wie im Werkkomplex „Bien transparent"  die Ebenen in ihrer Wirkung durch den Materialeinsatz unterstützt. Bienenwachs in seiner durchsonnten Farbigkeit als sinnlich anmutendes energetisches Material verhilft der verarbeiteten Tusche zu rationaler Entfaltung.

Jeanette Zippel mit Galeristin

Angelika Harthan

Jeanette Zippel mit

Prof.Dr.sc.phil. Marieluise Schaum, Berlin

© Text: Prof.Dr.sc.phil. Marieluise Schaum, Berlin

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